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Berichte

Von Peter Lahr (Zugesandt von Hans Beckert, Mosbach)

Neckarelz. „Emil Krebs – ein Leben für die Sprachen“, lautet der Titel einer Ausstellung, die Hans Beckert ins Neckarelzer Bildungshaus Bruder Klaus holte. Zur Eröffnung am Montagabend konnte Hausleiter Ulrich Baudenbacher an die 50 Gäste begrüßen. Weitgereist war nicht nur die zweisprachige, zunächst in Polen konzipierte Wanderausstellung über den Diplomaten und Dolmetscher, der rund 70 Sprachen beherrschte und das Deutsche Kaiserreich über ein Viertel Jahrhundert in China vertrat. Weit angereist waren auch der Slavist Gunnar Hille aus Görlitz sowie die Dolmetscherin Ramizi Ferati aus Pristina.

„Ich hatte während des Studiums die Idee, Japanisch zu lernen und bereitete mit wenigen Brocken manchem Gesprächspartner große Freude“, erinnerte sich Ulrich Baudenbacher an die große Wirkung, die man schon mit überschaubaren Sprachkenntnissen im zwischenmenschlichen Bereich erreichen kann. „Wie viele Sprachen sprechen Sie?“ Mit dieser „Kardinalsfrage“ eröffnete Mosbachs Oberbürgermeister Michael Jann sein Grußwort. Er habe sehr gerne und recht spontan die Schirmherrschaft für die Ausstellung übernommen, denn auch er verspüre manchmal den Wunsch, mehr Sprachen zu können. Nicht nur in den Mosbacher Partnerstädten wäre dies von Vorteil. In Emil Krebs sah Jann so etwas wie „einen Einstein der Sprachen“.

„Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“ Diese bis heute gültige Weisheit aus der Feder Wilhelm von Humboldts zitierte Landrat Dr. Achim Brötel in seinem Grußwort, welches Ursula Beckert verlas. Im Umkehrschluss formulierte Wittgenstein: „Die Grenze meiner Sprache ist die Grenze meiner Welt.“ Auf den Ausstellungsort kam MdL Peter Hauk zu sprechen: „Ich bin der Chefsponsor dieses Hauses, es ist das einzige ökumenische Bildungshaus“, betonte der Minister für Ernährung, Verbraucherschutz und den Ländlichen Raum. Die Veranstaltungen der Landsmannschaft der Schlesier im Allgemeinen und die von Hans Beckert im Besonderen besuche er immer gerne, denn sie seien stets gewinnbringend. So sei ihm Emil Krebs mittlerweile kein Unbekannter mehr: „Er hat bleibende Spuren hinterlassen.“ Dass es sich bei Krebs um „eine Art Gallionsfigur“ handelte, darauf verwies Gunnar Hille. Der ehemalige Leiter des Sprachlernzentrums des Auswärtigen Amts eröffnete jüngst in Görlitz ein „Kompetenz- und Koordinationszentrum Polnisch“. „Emil Krebs konnte die Landessprache von jedem Land in der EU“, unterstrich Hille. Krebs sei im Bereich der Sprachen zwar unerreicht, sporne uns alle aber dazu an, Sprachen zu erlernen. Wenn wir Europa bauen wollen, müssten wir besonders die östlichen Sprachen und Kulturen in den Fokus rücken. Seit 2008 erforscht Hille das Leben des Sprachgenies. Damals traf er mit Eckhard Hoffmann den Großneffen des kinderlos verstorbenen Emil Krebs. „Er hat sich mit über 100 Sprachen befasst“, wusste Ramizi Ferati. Die Dolmetscherin an der Deutschen Botschaft in Pristina schreibt gerade in Heidelberg an ihrer Promotion zu Emil Krebs. Dessen Meriten fasste sie so zusammen: „Er hat Mehrsprachigkeit, Allgemeinbildung und die Form der Sprachanwendung auf einem nahezu unerfüllbar hohen Niveau erfüllt.“

Die Verdienste von Hans Beckert (und dessen Ehefrau Ursula) unterstrich Gottfried Nossek von der Mosbacher Landsmannschaft Schlesien. Für Beckerts fünf Jahrzehnte umfassendes Engagement als Leiter der Mosbacher Gruppe bedankte sich auch Christfried Krause, Landesvorsitzender der baden-württembergischen Landsmannschaft Schlesien. Franz Gräff (Akkordeon) und Karl Heinz Jupe umrahmten die Ausstellungseröffnung musikalisch mit „Glocken der Heimat“.

Leben und Werk von Emil Krebs stellte Eckhard Hoffmann in einem ausführlichen Vortrag vor (siehe Hintergrund). Passender Untertitel: „Ein Sprachgenie im Dienste der Diplomatie“. Nur zwei Details mit Ortsbezug seien hier dazu aufgeführt: Das berühmte Götz-Zitat, das unweit der Götzburg bei

Neckarzimmern natürlich hinlänglich bekannt ist, gefiel auch Emil Krebs. Denn er übersetzte es gleich in 40 Sprachen und publizierte dazu ein nicht ganz ernst gemeintes Büchlein. Dass eine Graphic Novel mit der Biographie des gebürtigen Schlesiers ausgerechnet eine Künstlerin mit dem Namen Melinda Kovács-Mosbacher gestaltete, erfuhr hier besondere Aufmerksamkeit.

 

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