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Schlesiertreffen 2015

Bericht über das Schlesiertreffen 2015 von Günther Zimmermann

Ein fröhliches und freundliches Schlesiertreffen 2015

Obwohl sich das Wetter eher spätherbstlich gab, war das Schlesiertreffen 2015 ein freundliches, fröhliches Ereignis, schon eingeleitet durch die drei positiv belegten Worte der Losung „Gemeinsam für Schlesien“. Gewiss spielte dabei auch das überschaubare und fast schon gemütliche Versammlungsareal Hannover Congress-Centrum eine Rolle, aber entscheidend war wohl hauptsächlich die gewitterfreie Großwetterlage in und über unserer Landsmannschaft, in den zurückliegenden zwei Jahren geschaffen vornehmlich durch den neuen Bundesvorsitzenden Stephan Rauhut. Dass sich beim diesjährigen Schlesiertreffen etwa dreihundert Prozent mehr Schlesier umarmt haben, mag wohl mehr eine Zeiterscheinung sein, aber dass in jeder Rede und jedem Vortrag die in Deutschland lebenden Schlesier von uns selbst und auch von anderen als Brückenbauer zum heutigen Schlesien bezeichnet werden, war neu. Das anwesende Schlesiervolk von hier und drüben war wunderbar harmonisch gestimmt. Die auf früheren Schlesiertreffen zuweilen sogar erwarteten Protestrufer und Krawallmacher fehlten völlig. Natürlich hat die Zahl der Besucher - biologisch bedingt - weiter nachgelassen, aber die Freude darüber, dass sich nach den Turbulenzen auf dem Schlesiertreffen 2013 die Schlesier jetzt doch wieder zu einem großen Treffen versammeln können, war unverkennbar, und diese Freude wurde an nicht wenigen Tischen sogar kräftig gefeiert.

Das Schlesiertreffen 2015 begann schon am Freitag mit einem Empfang der CDU-Landtagsfraktion im Landtag. Es gab eine Podiumsdiskussion, die von Editha Lorberg, der stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden und frisch gewählten BdV-Landesvorsitzenden in Niedersachsen moderiert wurde. Daran nahm als Referent auch Bernard Gaida aus Guttentag, Vorsitzender der deutschen Volksgruppe in Polen, teil, ferner Sebastian Wladarz von der Landsmannschaft der Oberschlesier u.a. Es folgt ein ökumenischer Gottesdienst in der Neustädter Hof- und Stadtkirche, die überbesetzt war, während das danach mit dem Motto „Schlesien grüßt Hannover“ vorgesehene kulturelle Volkstreiben auf dem Platz an der Kirche etwas spärlich ausfiel, weil das abendliche Wetter zu kalt war.

Die Festliche Stunde am Samstag, mit der das Schlesiertreffen gewissermaßen eröffnet wurde, war sehr gut besucht. Die drei Hauptredner Bürgermeister Klaus Dieter Scholz von der Stadt Hannover, Bundesvorsitzender Stephan Rauhut und Landtagspräsident Bernd Busemann brachten übereinstimmend ihre Freude zum Ausdruck, dass die Landsmannschaft Schlesien mit positiven Vorzeichen und klugen Perspektiven ihren Weg in die Zukunft gefunden hat, ohne die großartigen Leistungen in der Vergangenheit zu vergessen. Im Rahmen der Festlichen Stunde wurde Peter Großpietsch, seit Jahrzehnten Vorsitzender der Glatzer Bundesheimatgruppe, Herausgeber des „Grafschafter Boten“ und langjähriger stellvertretender Bundesvorsitzender, mit dem Schlesierschild, der höchsten Auszeichnung der Landsmannschaft Schlesien, geehrt.  Auch alle anderen Veranstaltungen fanden viel Zuspruch, so die von Prof. Dr. Michael Pietsch geleitete Schlesische Sommerakademie und der Bundesmitarbeiterkongress mit dem Thema „Zukunft braucht Veränderung“, den der Bundesvorsitzende leitete.

Der Heimatabend stand unter dem Motto „Schlesien grüßt Niedersachsen“ und wurde locker und heiter von Heide Paskowski moderiert. Mit einer bunten Mischung aus musikalischen und Wortbeiträgen, auch in schlesischer Mundart, wurden praktisch alle Ansprüche bedient. Vom singenden Tierarzt Dr. Alois Burkert, der als Rübezahl auftrat, über die überall Begeisterung auslösende Sängerin Dany aus Ratibor, über die Jugendtrachtengruppe „Silesia“ aus dem
auslösende Sängerin Dany aus Ratibor, über die Jugendtrachtengruppe „Silesia“ aus dem oberschlesischen Groß Maßdorf, den DFK-Chor aus Waldenburg, die Darbietungen der Arbeitsgemeinschaft Schlesischer Trachtengruppen, viel schwungvoller Blasmusik und gemeinsam aus mehr als tausend Kehlen gemeinsam gesungenen Liedern boten die beiden Organisatoren Peter Winkler und Lars Karrasch  die ganze schlesische Palette zwischen fetzig und besinnlich. Eine 93-jährige Oma neben uns meinte: „Es war zum Heulen schön“.    Weil er an den anderen Veranstaltungen des Schlesiertreffens nicht teilnehmen konnte, sprach der neue BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB beim Heimatabend ein sehr klares und ausführliches Grußwort, in dem er hauptsächlich über die erste Feier des Gedenktags berichtete, die die Bundesregierung im Berliner Schlüterhof tags zuvor begangen hatte, wobei er die Ansprache des Bundespräsidenten sehr positiv bewertete. Er berichtete, dass seine Vorgängerin Erika Steinbach zur Ehrenpräsidentin des BdV gewählt worden war, lobte die neue Bundesmannschaft unserer Landsmannschaft und die damit verbundene Intenisvierung der Zusammenarbeit. Er erklärte auch, dass er die Absicht habe, die Kontakte zwischen dem BdV und der polnischen Regierung zu erneuern und auszubauen.    

Für die Katholiken wurde am Sonntag in der Niedersachsenhalle ein Pontifikalamt mit Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger und schlesischen Heimatpriestern zelebriert. Die evangelischen Teilnehmer feierten in der Glashalle einen Festgottesdienst nach der alten, früher in Schlesien gebräuchlichen Liturgie, bei dem Superintendent Martin Herche aus Görlitz die Predigt hielt. Dr. Christian-Erdmann Schott, der Vorsitzende der Gemeinschaft Evangelischer Schlesier konnte krankheitsbedingt an dem Schlesiertreffen nicht teilnehmen.
 
Die voll ausgebuchte Hauptkundgebung wurde wieder mit dem Einzug der Trachtengruppen und Fahnenabordnungen und recht schmissiger Blasmusik eingeleitet. Die Moderation besorgte schnörkellos und mit frischem Zungenschlag der neue Präsident der Schlesischen Landesvertretung, Dr. Gotthard Schneider, der eine große Zahl wichtiger Verbündeter zu begrüßen hatte.

Hartmut Koschyk (MdB), der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, ging in seinem Grußwort der Bundesregierung auf die sich weiter positiv entwickelnden Beziehungen zwischen Deutschland und Polen ein und leitete daraus für die Landsmannschaft Schlesien den Auftrag ab, den Brückenbau zwischen den Schlesiern in Deutschland sowie ihren Nachfolgern und den heutigen Bewohnern Schlesiens weiter zu pflegen und zu intensivieren.

Der für die Vertriebenen zuständige niedersächsische Innenminister Boris Pistorius leitete seine Regierungsansprache gleich mit einem Hinweis auf den leckeren Streuselkuchen seiner Breslauer Großmutter ein, womit er die prall gefüllte Niedersachsenhalle sofort auf seiner Seite hatte. Er ging zunächst auf die Ursachen und Folgen der Vertreibung ein, kam dann aber gleich auf die Leistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge beim Aufbau des Landes Niedersachsen zu sprechen. Auch über das überwiegend zum Guten gewandelte Verhältnis zwischen Polen und Deutschland wusste er Einiges zu berichten. Er lud seine Zuhörer ein, vom nächsten Jahr an das Niedersächsische Zeitzeugenzentrum „Lebenswege und Integration“ zu besuchen, das im früheren Grenzdurchgangslager Friedland zurzeit entsteht. Der Minister lobte die neue Zukunftsorientierung der Landsmannschaft Schlesien und versprach, dass das Patenland das „Miteinander weiterhin begleiten und unterstützen“ wird.      

Bundesvorsitzender Stephan Rauhut fand in seiner ersten Rede auf einem Schlesiertreffen den richtigen Ton. Er wies klar und deutlich auf die Schändlichkeit der Vertreibungen hin, erwähnte aber auch die Bemühungen einiger Vertreiberstaaten um Wiedergutmachung des Leides der deutschen Vertriebenen. Er ging auf die Erfolge der deutschen Minderheit in Schlesien ein, wies aber auch auf die noch vorhandenen Mängel hin. Er  offenbarte seinen Traum, dass es eines Tages in ganz Schlesien zweisprachige Ortsschilder gibt. Er sprach sich für eine Intensivierung der Schüler- und Studentenaustausche mit Schlesien, für gemeinsame Lehrstühle für die Geschichte Schlesiens aus. Vehement rügte er den schlechten Zustand der grenzüberschreitenden Bahnverbindungen nach Schlesien und plädierte für einen verstärkten Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Schlesien. Den deutschen und polnischen Schlesiern böten sich vielfältige Möglichkeiten, bei der Bewahrung und Weeiterentwicklung des schlesisches Kulturerbes zusammenzuarbeiten. Deshalb müsse sich die Landsmannschaft Schlesien auch im nächsten Jahr einbrngen, wenn Breslau Kulturhauptstadt Europas wird. Da die Aufgaben der Landsmannschaft Schlesien nicht abnehmen sondern kräftig zunehmen, müssten auch ihre Strukturen überdacht und verbessert werden. Dazu habe es beim Mitarbeiterkongress viele ermutigende Vorschläge und konstuktive Debatten gegeben.
 
Aus Baden-Württemberg kamen mehr Teilnehmer als vor zwei Jahren, hauptsächlich Einzelbesucher, die zumeist nicht der Landsmannschaft angehören, und Reiseteilnehmer der Landesgruppe, die vielfach am Stand der Landesgruppe vorsprachen und allesamt die fröhliche/freundliche Stimmung des Treffens lobten.

Natürlich überwogen auch bei diesem Schlesiertreffen die älteren Jahrgänge, aber maßgebende Vertreter äußerten auch den Eindruck, dass deutlich mehr Besucher der mittleren Generation anwesend waren, die jedenfalls am Baden-Württemberg-Stand auch muntere Diskussionen auslösten. Dabei ging es vornehmlich um die perspektivisch moderne Ausrichtung und Ausstattung der Landsmannschaft. Die starke Verjüngung des Bundesvorstandes kommt in diesem Trend eindeutig und unverkennbar zum Ausdruck. Das Schlesiertreffen hat - für mich unerwartet - viele  Diskussionen über die taktische Fortführung der Schlesiertreffens aber auch über die Einbeziehung des heutigen Schlesiens in die landsmannschaftliche Arbeit unter dem weiten EU-Dach ausgelöst. Das Schlesiertreffen 2015 war ein mutiges Experiment. Es ist auf der ganzen Linie gelungen. Zwei Aspekte sollten trotzdem noch überdacht und diskutiert werden:
1. Wenn man die zu erwartenden Gesamtkosten von etwa 70.000 Euro durch die Zahl der Teilnehmer dividiert, hat jeder Teilnehmer 35 Euro gekostet (bei einem Eintrittspreis von 15 Euro).
2. Das diesjährige Schlesiertreffen hat mit Ach und Krach noch 2.000 Besucher erreicht. Die so genannte deutsche Minderheit im heutigen Schlesien bringt es zu ihrem Kulturfestival in Breslau locker auf die vierfache Menge. Schlesien liegt also immer noch in Schlesien. 









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