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Delegiertentagungen



Landesdelegierten-Versammlung
Stuttgart 27. Mai 2017

    Zur Landesdelegierten-Versammlung 2017 begrüßte der Landesvorsitzende Günter Zimmermann die Delegierten aus den verschiedenen Ortsgruppen. Das Totengedenken galt - stellvertretend auch für andere Landsleute - Professor Hans Wieland aus Stuttgart. Geboren wurde Wieland 1934 in Cosel; nach Studienjahren u.a. auch in USA leitete er zuletzt viele Jahre das Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft an der Universität Stuttgart. Prof. Wieland war als Einzelmitglied häufig Gast bei den Kulturtagungen und Sitzungen der Landsmannschaft und wegen seines Humors auch besonders gern gesehen. 
    Nach den Regularien zu Tagesordnung, Versammlungsleitung und Mandatsprüfung (insgesamt 18 Mandate für die anstehenden Neuwahlen) begann der Landesvorsitzende seinen Jahresbericht. Fast alle Ortsgruppen haben Mitglieder-Sorgen, vor allem, wenn deren Vorstände betroffen sind. Einige der größeren Gruppen konnten gerettet werden, teils durch Übernahme (Eßlingen), teils durch personelle Weiterführung (Reutlingen, Freiburg, Heidelberg). Neu übernommen wurde die Gruppe Stuttgart durch Hans-Joachim Herbel, der auch stellvertretender Landesschatzmeister ist. Einige Gruppen entwickeln sich positiv, oft durch Mitgliedschaft von Deutschpolen. Außerdem eröffnet sich die Möglichkeit, evtl. zwei Pfälzer Gruppen in die LM Schlesien Baden-Württemberg einzubeziehen.
    Die Einrichtung des „Schlesischen Nachmittags“ entwickle sich positiv, führte der Landesvorsitzende weiter aus. Bisher haben 15 gut besuchte Veranstaltungen dieser Art im Haus der Heimat stattgefunden, die wechselnden Themen zu Vergangenheit und Gegenwart Schlesiens finden – verbunden mit einer schlesischen Kaffee-und-Kuchen-Tafel - immer mehr Zuspruch. Generell bietet die Landsmannschaft in Baden-Württemberg mit zwei weiteren kulturellen Veranstaltungen viele Anregungen, sich intensiv mit Schlesien zu beschäftigen – auch als Nachgeborener. Die bisherigen jährlichen Landeskulturtagungen in Blaubeuren mussten wegen dortigen Platzbedarfs aufgegeben werden. Es fand sich aber bereits für dieses Frühjahr ein ebenso geeigneter Ort zur Weiterführung: Schloss Unteröwisheim im Kraichgau. (Siehe Tagungsbericht 2017.) Die frühherbstlichen Tagungen in Lubowitz werden weitergeführt, da  sie von den Daheim-Verbliebenen sehr gut angenommen werden. Das beweist die steigende Teilnehmerzahl auch polnischer Interessenten.
    Das Angebot von Reisen bleibt erhalten. Aus dem vergangenen Jahr ist die Reise der Landesgruppe in die Kulturhauptstadt Breslau besonders zu erwähnen: Es war der Landsmannschaft gelungen, das Rosenau -Trio mit seinem bekannten Eichendorff – Programm zu einer Veranstaltung im Haus der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau einzuladen. Auch dieser Auftritt zeigte die Verbundenheit der „alten“, aber auch das Interesse der „neuen“ Schlesier. Der jährliche Ostermarkt im Stuttgarter „Haus der Heimat“ mit dem Verkauf von Tippeln (Bunzlauer Keramik), Büchern, Kuchen und Schnäpsen erfreut sich inzwischen bei den Hiesigen - auch Einheimischen - großer Beliebtheit.
    Den Ausführungen des Vorsitzenden schlossen sich die Berichte der Referenten für Kultur, Kulturmittel, Presse und Reisen an, außerdem erstattete der Landesschatzmeister seinen Kassenbericht, anschließend erfolgten Aussprache sowie Entlastung der beteiligten Ämter. Die Neuwahl konnte alle Amtsinhaber und Referenten in ihren Landesämtern bestätigen. Die Versammlung, die mit dem Schlesierlied begonnen hatte, endete mit der Nationalhymne. Intern jedoch führte sie zu vielen interessanten Gesprächen zwischen den Teilnehmern, zu Erfahrungs- und Gedankenaustausch, manchmal aber auch – das sei nicht verschwiegen – zu manchem sorgenvollen Blick in die Zukunft. Wer wird unsere, die Arbeit der Erlebnisgeneration, einmal übernehmen, damit Schlesiens reichhaltige Kultur und Geschichte nicht verloren geht?!

Text: S. Schuster-Schmah, Foto: G. Kaul
Das unten abgebildete Foto zeigt ein Teil des neuen Landesvorstandes der Schlesier von Baden-Württemberg in Stuttgart am 27. Mai 2017




Immerwieder Neuigkeiten:
Landesdelegiertenversammlung 2016 in Stuttgart
in Verbindung mit dem "Schlesischen Nachmittag"


Zur diesjährigen Landesdelegiertenversammlung hatten sich Teilnehmer aus nahezu allen Ortsgruppen zwischen Heidelberg, Lörrach und dem mittleren Neckarraum (Ausnahme Ulm und Murrhardt) eingefunden. Das beweist das große Interesse an der Arbeit des Landesverbandes und am gegenseitigen Austausch. Nach den üblichen Regularien und der Ehrung von Hubertus Langer aus Lörrach (Laudatio s. Ehrungen) begrüßte der Landesvorsitzende Günther Zimmermann die Delegierten zur 15. Versammlung unter seiner „Regie“. Er führte in seinem Jahresbericht insbesondere folgendes aus:
„Obwohl von den sechs geplanten Reisen 2015 nur zwei realisiert werden konnten, war das Reiseergebnis insgesamt zufriedenstellend. Die Kulturtagungen der Landesgruppe in Blaubeuren und Lubowitz/Oberschlesien wurden stärker als in den Vorjahren frequentiert und förderten auch vielversprechende neue Referenten zutage. Die Landesgruppe erhielt rd. 15.000 Euro Fördermittel vom Land für die kulturelle Breitenarbeit, die je zur Hälfte für Kulturmaßnahmen der Landesgruppe und der Kreis/Ortsgruppen verwendet wurden. Schlesische Ausstellungen wurden in Backnang, Freiburg, Heilbronn, Karlsruhe, Pforzheim und Reutlingen durchgeführt. Die Finanzen der Landesgruppe sind in Ordnung, zumal dank einer durchdachten Arbeit der Landesgeschäftsstelle trotz einer Beitragserhöhung der Bundesgruppe sogar ein etwas höherer Kassenbestand als im Vorjahr erreicht werden konnte. Der Mitgliederbestand der Landesgruppe ist vor allem infolge der Auflösung zweier Ortsgruppen von rd. 1.000 auf jetzt 800 abgesunken. Die Zahl der Einzelmitglieder nimmt langsam zu. Recht positiv wurde die neue Veranstaltungsreihe „Schlesischer Nachmittag“  angenommen, der zunächst vierteljährlich von der Landesgruppe zusammen mit der Kreisgruppe Stuttgart durchgeführt wird und steigende Besucherzahlen aufweist. Positiv zu bewerten ist auch die Tatsache, dass sich seit einiger Zeit hoffnungsvolle Vertreter der Nachkriegsjahrgänge auf der landsmannschaftlichen Landesebene engagieren, zum Teil auch schon im Landesvorstand.“
Nach präzise getaktetem Zeitplan folgten die Berichte der Referenten für Kultur, Kulturmittel, Presse, Reisen, Ausstellungen. Zu letzteren informierte Manfred Simon aus Pforzheim besonders ausführlich über die dortige Segelflugausstellung „Adler über Schlesien“. Pressereferentin Sigrid Schuster-Schmah gab zusätzlich einen Bericht über die Frühjahrstagung des Frauenverbandes im BdV, die vom 1. – 3. April 2016 im Heiligenhof in Bad Kissingen stattgefunden hatte. Zum Thema „Die Daheimverbliebenen – Deutsche im Osten Europas - Brückenbauer zwischen Ost und West“ hatten sich 56 Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelt, um in Vorträgen und Gesprächen viel Erstaunliches, Positives wie Negatives, aus den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten zu erfahren. Aus Schlesien waren Renate Zajaczkowska (Breslau) und Monika Wittek (vdg Oppeln) angereist, um ihre bis heute geleistete Arbeit vorzustellen.
Nach weiteren Regularien (Aussprache, Kassenprüfung, Entlastungen usw.) endete die Versammlung, die mit dem Schlesierlied begonnen hatte, mit der Nationalhymne, um sich um 14 Uhr wiederum im Versammlungsraum  mit einem Vortrag fortzusetzen.

"Schlesischer Nachmittag"
Die deutsche Minderheit in Schlesien gestern, heute und morgen


Zu diesem Thema brachte der Vorsitzende der AGMO (Arbeitsgemeinschaft zur Unterstützung der Deutschen in Schlesien u a.), Dr. Tobias Norbert Körfer, in seinem Vortrag eine Menge Informatorisches, Interessantes und Zukunftsweisendes zur Sprache. „Zwischen Recht und Wirklichkeit – die Situation der Deutschen im heutigen Oberschlesien“, so präzisierte Körfer die gegenwärtige Lage und schilderte die Anfänge, als die ersten Freundschaftskreise ca. 1985 im Untergrund entstanden, während sich bereits vor der Wende die AGMO für Menschenrechte einsetzte. Auf diplomatischem Wege wurden Absprachen mit Bundestagsabgeordneten getroffen, es wurde Präsenz gezeigt u.a. während der Kreisauer Messe, man berief sich auf Rechtsgrundlagen für die DFKs in der Allgemeinen Erklärung der Menschrechte in der UNESCO. Die Umsetzung in polnisches Recht (Verfassung der Rep. Polen 1997) war zunächst nur formal, jedoch positiv. Eine Diskrepanz zwischen Recht und Realität blieb lange erhalten, es gab weiterhin Diskriminierungen. Die AGMO bot frühzeitig Unterstützung besonders für das Recht auf Muttersprache als fundamentales Menschenrecht. Auf die heutige Situation eingehend nannte Körfer besonders den zweisprachigen Kindergarten in Ratibor-Studen und die zweisprachige Grundschule in Cosel-Rogau. Schulbusse für den Schülertransport werden gesponsert, es gibt Aufrufe zur Kooperation mit der Wirtschaft, doch die Haltung der gegenwärtigen Regierung  bedroht die Entwicklung. Wichtig für den Fortbestand der deutschen Minderheit in Oberschlesien sei die kulturelle Vielfalt, dazu nannte der Referent einige Beispiele: Kulturfestival, Schülerwettbewerbe, Konzerte und Theateraufführungen. Mit dem Aufruf an die Zuhörer, im Umfeld von politischen Wahlen die einzelnen Abgeordneten auf ihre Einstellung zum Thema deutsche Minderheit gezielt anzusprechen, schloss Dr. Körfer seinen spannenden und schwungvoll vorgetragenen Zustandsbericht über die Situation der Deutschen Minderheit in Oberschlesien und die Arbeit der AGMO vor Ort bei den Daheim-Verbliebenen und in der partnerschaftspolitischen Szene in Europa. 
Eine gut bestückte Kaffeetafel bot den Anwesenden – ihre Zahlt hatte sich am Nachmittag fast verdoppelt -  anschließend Gelegenheit, die am Tage angesprochenen Themen weiter zu diskutieren bzw. ausklingen zu lassen.
Text: Sigrid Schuster-Schmah, Foto: G. Kaul 


                              Dr. Tobias Norbert Körfer referiert beim "Schlesischen Nachmittag" am 09.04.2016


Landesdelegiertentagung 2015 in Stuttgart

Die Landesdelegiertenversammlung unserer Landesgruppe am 11. April 2015 im „Haus der Heimat“ in Stuttgart war mit 26 Delegierten und fast eben so viel Interessenten aus den Kreis- und Ortsgruppen und aus dem Kreis der Einzelmitglieder wieder gut besucht. Wie immer war es nicht nur die fällige Delegiertenversammlung sondern auch ein Treffen der besonders engagierten Landsleute, die viel miteinander redeten, sich austauschten und sicherlich auch wissen wollten, welchen  Kurs das gemeinsame Schiff Landsmannschaft künftig steuern wird. Neuwahlen standen auch an, und der angekündigte Vortrag von Wolfgang Lorenz ließ auch eine gewisse Spannung erwarten. Bei der Totenehrung wurde der Verdienste von Erwin Kristen, Diethelm von Lindeiner-Wildau, Ernst Trautmann und Hanna Vogel gedacht. 
In meinem Tätigkeitsbericht für das Jahr 2014 konnte ich über durchweg gelungene Kulturtagungen, eine sehr erfolgreiche Reisebilanz mit fünf Reisen und einem fünfstelligen Gewinn, eine interessante Beteiligung am 7. Ostdeutschen Ostermarkt und am„Tag der Heimat“ in der Stuttgarter Liederhalle, einen erfolgreichen Auftakt mit der neuen Ver-anstaltungsreihe „Schlesischer Nachmittag“, gute und zukunftsweisende Entwicklungen auf der landsmannschaftlichen Bundesebene sowie über eine seriöse und auskömmliche Finanzverfassung der Landesgruppe berichten. Die einzigen ernsthaften Sorgen bereiten nur einige unserer Gruppen vor allem wegen personeller Engpässe, ausgerechnet die größeren Gruppen in Stuttgart, Reutlingen und Heidelberg. Diskussionsstoff gab es wegen einer ab Mitte 2015 in Kraft tretenden Beitragserhöhung unserer Bundesorganisation, die ich als Bundesschatzmeister initiiert und durchgesetzt hatte, um die Bundesgruppe finanziell zu sanieren. Da die Landesgruppe Baden-Württemberg in der Lage ist, diese Beitragserhöhung zu tragen, sodass unsere Basisgruppen davon gar nicht betroffen sind, war diese Diskussion schnell zu Ende. Die Gruppe Aalen musste Ende 2014 aufgrund Überalterung aufgeben.
Die Berichte der einzelnen Referenten (Kultur, Presse, Reisen, Ausstellungen, Kulturmittel) ließen erkennen, dass alle geplanten Veranstaltungen und anderen Maßnahmen genügend Zuspruch fanden, problemlos abgewickelt werden und dank der staatlichen Zuschüsse auch einwandfrei finanziert werden konnten. Der Landesschatz-meister  konnte berichten, dass einige tausend Euro mehr eingenommen als ausgegeben wurden, sodass die Reserven gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht werden konnten. Landesschatzmeister und Vorstand wurden einstimmig entlastet. Es folgte unter der bewährten Leitung von BdV-Landesgeschäftsführer Ulrich Klein die fällige Neuwahl des Landesvorstandes. Der Kern des Landesvorstandes stand wieder zur Verfügung und wurde vollständig, zum größten Teil einstimmig, wiedergewählt. Der Kreis der vier Beisitzer wurde überwiegend neu und teilweise mit jüngeren Landsleuten der Bekenntnisgeneration besetzt, sodass insgesamt eine leichte Verjüngung zu verzeichnen war, die zu begrüßen ist, wenn sie auch nicht so drastisch wie im Bundesvorstand  ausfiel.
Der Vortrag „Polen in Schlesien: Entdecker und Träger deutscher Kultur?! Hoffnungsvolle Tendenzen im polnischen Schlesien nach 1989“ von Wolfgang Lorenz wurde mit großem Interesse, sicherlich auch mit einer gewissen Spannung aufgenommen, wie auch die folgende Diskussion erkennen ließ, bei der vor allem erwähnt wurde, dass der vom Vortragenden  geschilderte kulturelle Brückenschlag zwischen Polen und Deutschland und umgekehrt im heutigen Schlesien sich vornehmlich auf der akademischen Ebene und in Breslau abspiele, während in der so genannten Provinz nach wie vor  Ressentiments die Szene beherrschen würden. In diesem Zusammenhang wurde aber auch auf die  inzwischen recht häufigen Begegnungstreffen der vertriebenen Schlesier und ihrer Heimatgruppen in den jetzt polnischen Heimatorten hingewiesen. Man war sich immerhin einig, die Entwicklung dieser deutsch-polnischen Gegenwart aufmerksamer als bisher beobachten zu wollen.
Bei der Übersicht über die Vorhaben dieses Jahres stieß die von mir vorgeschlagene neue Veranstaltungsreihe „Schlesischer Nachmittag“ auf großes Interesse. Sie soll zunächst vierteljährlich im „Haus der Heimat“ in Stuttgart als gemeinsame, etwas gehobene Veranstaltung der Landesgruppe und Kreisgruppe Stuttgart  stattfinden und aus einer kulturellen Veranstaltung mit anschließender schlesischer Kuchentafel bestehen; sie soll uns, der Landsmannschaft Schlesien in der Landeshauptstadt, wo es gerade einmal 70 landsmannschaftliche Mitglieder gibt, statistisch aber mindestens 1.700 Schlesier leben, mehr Beachtung und Aufmerksamkeit verschaffen.
Es gab auch einige Ehrungen: Mit dem Schlesierkreuz wurden Eva-Charlotte Katzer ausgezeichnet. Goldene Ehrennadeln erhielten Hudrun Lintzel, Wolfgang Lorenz und Sigrid Schuster-Schmah. Insgesamt war es eine gut besuchte, interessante und harmonisch verlaufene Delegiertenversammlung, die stärker der Zukunft zugewandt war als die zurückliegenden sechs Versammlungen, die unter meiner Regie standen, wenngleich man nicht verschweigen kann und darf, dass das landsmannschaftliche Leben und Geschehen der alten Art nun allmählich zu Ende geht und  intensiv über die Art, wie die Brücke zwischen Baden-Württemberg und Schlesien künftig aussehen soll und wird, nachgedacht werden muss, eine wichtige und schöne, zugleich auch spannende Aufgabe für helle Köpfe zwischen Myslowitz und Lörrach.

Text: Günther Zimmermann, Foto: G. Kaul




Bildtext: Der am 11. April 2015 gewählte Landesvorstand der Landesgruppe Baden-Württemberg der Landsmannschaft Schlesien (v.l.n.r.): Günther Zimmermann (Landesvorsitzender), Manfred Simon (Beisitzer und Ausstellungsreferent), Annegret Kunert (Beisitzerin), Karl-Heinz Tschirner (Landesschatzmeister), Dr. Wolfram Hamann (Stellvertretender Landesvorsitzender), Bernhard Bochynek (Stellvertretender Landesvorsitzender), Sigrid Schuster-Schmah (Landespressereferentin), Gurdun Lintzel (Landeskulturreferentin und Landes-schriftführerin), Hans-Joachim Herbel (Stellvertretender Landesschatzmeister und Kulturmittelverwalter), Christfried Krause (Beisitzer). Es fehlt Peter Schikora (Beisitzer).  



Eine interessante und aufschlussreiche Landesdelegiertenversammlung


Es war eine der besten Landesdelegiertenversammlungen, die wir am 1. März 2014 im Stuttgarter „Haus der Heimat“ erlebten. Der Besuch mit über 50 Personen war überdurchschnittlich gut. Das Programm war außergewöhnlich, der Ablauf lebendig und durchaus auch etwas markig, die Organisation insgesamt perfekt, die Stimmung hervorragend (in der Faschingszeit auch nicht anders zu erwarten) und besonders interessant, weil mit dem neuen Bundesvorsitzenden Stephan Rauhut und dem Vorsitzender des Deutschen Freundschaftskreises Glatz, Horst Ulbrich, zwei außergewöhnliche und dazu noch sehr unterschiedliche Referenten in Erscheinung traten, auf die auch der sehr gute Besuch zurückzuführen war.
Bei der Totenehrung wurde stellvertretend für alle Verstorbenen der Vorstandsmitglieder Peter Braun und Pfarrer Albert Ciupke gedacht.
Im Bericht des Landesvorsitzenden wurde vor allem noch einmal auf die grandiose, aus 14 Veranstaltungen bestehende Tournee des Rosenau-Trios mit dem Eichendorff-Szenarium hingewiesen, mit denen mehr als 1.400 Menschen erreicht wurden. Positiv wurden auch die beiden Kulturtagungen in Blaubeuren und im oberschlesischen Lubowitz bewertet, wenngleich der Vorstand daran denkt, die hiesige Kulturtagung mehr auf einen größeren Kreis von schlesischen „Kulturbeflissenen“ auszurichten. Dazu sind - wie auch diese Delegiertenversammlung zu erkennen gab - noch Diskussionen erforderlich. Die Reiseveranstaltungen der Landesgruppe verliefen wieder erfolgreich, konnten jedoch in finanzieller Hinsicht das ausnehmend gute Ergebnis des Jahres 2012 nicht erreichen. Die herbstliche Klausurtagung war bereits von den Vorgängen an der Bundesspitze unserer Landsmannschaft geprägt und deshalb auch etwas turbulenter. Negative Aspekte der Verbandsarbeit im abgelaufenen Jahr sind nur darin zu sehen, dass sich die Gruppe Schwäbisch Gmünd aufgelöst hat, weil Gunter Lange altersbedingt nicht mehr zur Leitung der Gruppe imstande ist und keinen geeigneten Nachfolger finden konnte, und dass die meisten unserer Gruppen nicht oder nicht optimal im Internet vertreten sind.
Landeskulturreferentin Gudrun Lintzel  berichtete dann eingehender über die Kulturtagungen und Landespressereferentin Sigrid Schuster-Schmah über die Berichterstattung darüber und auch über die kulturellen Veranstaltungen, an denen sie teilgenommen hatte. Ferner wurde über die Eichendorff-Ausstellung berichtet, die mit dem Rosenau-Trio und seinen Darbietungen durch das Land gezogen ist, sowie über zwei Ausstellungen, die die Ortsgruppen Mosbach und Pforzheim mit den Themen Schlösser in Schlesien und die Fliegerei in Schlesien durchführten. 
Landesschatzmeister Karl-Heinz Tschirner hatte keine Gründe zu Klagen; denn die Kreis- und Ortsgruppen sowie die behutsam zunehmende Zahl der Einzelmitglieder sind pünktliche und gewissenhafte Zahler. Obwohl das Ergebnis des Reisereferats deutlich geringer als im Vorjahr war, wurde im normalen Haushalt durch Einsparungen bei den Ausgaben eine ausgeglichene Bilanz erreicht, sodass die Kassenprüfer die Entlastung von Vorstand und Schatzmeister empfahlen, die auch einstimmig erfolgte. Bei der Zuweisung von Kulturmitteln des Landes war wieder eine Reduktion um 16 Prozent = 2.500 Euro zu beklagen, während die Kreis- und Ortsgruppen bedeutend mehr Ausgaben für ihre kulturelle Breitenarbeit anmeldeten, sodass die Zuschussquote auf ein historisches Tief von 29 Prozent fiel. Insgesamt 6.000 Euro konnten auf diese Weise an 16 Gruppen, eine mehr als 2012, ausgezahlt werden. Erstmals konnten zusätzlich Kulturmittel des Bundesinnenministeriums verwendet werden, und zwar für die Tournee des Rosenau-Trios.

Danach stand das Referat des neuen Bundesvorsitzenden Stephan Rauhut auf dem Programm. Er war in der Nacht vorher aus Görlitz angereist, wo er mit dem Oberbürgermeister und dem Leiter des Schlesischen Museums Gespräche geführt hatte. Stephan Rauhut trat in seinem neuen Ehrenamt das erste Mal bei einer Landesgruppe auf und schilderte eingangs, wer er sei, woher er komme und was ihn motiviere, in seinem Alter (39 Jahre) und neben seinem Beruf (Inhaber einer Vermögensberatung) dieses anspruchsvolle Ehrenamt zu übernehmen. Er ist als Sohn schlesischer Eltern aus dem Bunzlauer Raum in Görlitz geboren, teilweise dort aufgewachsen und nach der Wende in die alte Bundesrepublik gekommen, wo ihm alsbald die Leitung der großen und lebendigen Kreis- und Ortsgruppe Bonn der Landsmannschaft Schlesien zufiel. Er erkannte, dass  eine Landsmannschaft wie die der Schlesier heute und künftig anders als bisher auftreten, agieren und sich engagieren muss, ohne schon an ein Amt an der Bundesspitze zu denken. Das kam dann schneller als erwartet auf ihn zu, als der bisherige Bundesvorsitzende Rudi Pawelka abgewählt wurde. An dieser Abwahl war er nicht beteiligt, sodass ihm schon daran gelegen war, seinen Vorgänger in die Zukunftsgestaltung der Landsmannschaft einzubinden. Der Vorgänger sieht jedoch in Stephan Rauhut in erster Linie einen Gegner. Der neue Bundesvorsitzende will inhaltlich an unserer Landsmannschaft keine entscheidenden Änderungen vornehmen und die in der Satzung vorgegebenen Ziele nicht in Zweifel ziehen. Ändern will er den Arbeitsstil, indem er die Zusammenarbeit mit allen die Landsmannschaft tangierenden Organisationen, Behörden und Personen wieder aufnimmt und pflegt, vor allem im Sinne des Wortes „zusammen“ und in gegenseitiger Achtung. Er konnte bereits über eine ganze Latte von Besuchen, Gesprächen und Begegnungen berichten, die er in den wenigen Monaten nach seiner Wahl bundesweit und in Schlesien vollzogen hatte. Er teilte mit, dass das zerrüttete Finanzgefüge der landsmannschaftlichen Bundesgruppe wieder in Ordnung gebracht werden müsse. Er gab bekannt, dass im Juni in Görlitz im Zusammenhang mit der Bundesdelegiertenversammlung ein kleines Schlesiertreffen angedacht sei. Ein „normales Schlesiertreffen“, in einem finanziell vernünftigen Rahmen, sei für 2015 wieder in Hannover oder in einem anderen Ort im Patenland Niedersachsen vorgesehen.
Stephan Rauhut gelang es, in seiner unaufdringlichen, besonnenen Art das neue Klangbild unserer Landsmannschaft zu vermitteln und die Atmosphäre zu erklären, die notwendig ist, um das nach wie vor komplizierte „Geschäft“ einer Vertriebenen-Landsmannschaft in einer zusammenfließenden europäischen Landschaft zu betreiben. Die anschließende Diskussion bezog sich allerdings mehr auf die Vergangenheit unserer Landsmannschaft und auf die Frage, wie es zu ihrem Fast-Absturz im vergangenen Jahr kommen musste.

Beinahe ein Kontrastprogramm bot am Nachmittag Horst Ulbrich, der Vorsitzende des Deutschen Freundschaftskreises in Glatz, ein nachkriegsgeborener Deutscher, der in die schlesische Heimat seiner Eltern zurückgekehrt ist und in der Nähe von Glatz einen stattlichen Reiterhof betreibt und nebenbei (eigentlich im Hauptberuf) zusammen mit seinesgleichen, dort gebliebenen Deutschen und „einverleibten“ Polen eine lebhafte und überaus fruchtbare Arbeit als - sagen wir mal - weltlicher Missionar verrichtet, ein Mixtum von Sozialarbeit, Ausbildung und Sprachunterricht, Denkmalspflege, Tourismus, Volksbelustigung und Frömmigkeit. Im schwungvollen Plauderton und mit entsprechenden Bildern schilderte er seine vielfältige landsmannschaftliche Szene im heutigen Glatzer Land, auch die damit verbundenen finanziellen Nöte, für deren Behebung wir hier in Deutschland einiges tun müssen.

Über die Ehrung von Landsmann Jürgen Knorrn wird an anderer Stelle dieser Homepage berichtet.

Nach langer Zeit wurden wieder einmal Anträge an die Landesdelegiertenversammlung gestellt. Der Antrag, sich beim Kultusministerium des Landes zu erkundigen, wie die vom „Haus der Heimat“ vor Jahren erarbeitete und an alle Schulen verteilte Handreichung über die Vertreibung und Flucht in den Schulen umgesetzt wird, wurde mehrheitlich angenommen. Der Landevorstand wird sich dieses Antrags annehmen und bei Gelegenheit über das Ergebnis berichten.
Der Antrag, den früheren Präsidenten der Schlesischen Landesvertretung, Prof. Dr. Michael Pietsch, aus der Landsmannschaft Schlesien auszuschließen, fand nur bei einigen wenigen Delegierten Zustimmung, zumal die Landesgruppe Baden-Württemberg nicht der richtige Ansprechpartner war und ist.
Die Delegierten stimmten mehrheitlich auch dem Vorschlag zu, dass der Landesvorsitzende in seinem neuen Zusatz-Ehrenamt als Bundesschatzmeister die bisher nur zugunsten der Kasse der Landesgruppe veranstalteten Gruppenreisen künftig auch anteilmäßig für die Kasse der Bundesgruppe durchführen dürfe.
Zuletzt erläuterte der Landesvorsitzende das diesjährige, zumeist schon komplett Programm der Landesgruppe mit wahrscheinlich drei Kulturtagungen, einer Klausurtagung im Herbst sowie insgesamt sechs Gruppenreisen, von denen vier bereits jetzt erfreulich gut gebucht seien.
Die diesjährige Delegiertenversammlung  fiel auch insofern etwas aus dem Rahmen, als das Mittagessen dieses Mal nicht vom bisherigen Stuttgarter Partyservice kam, sondern aus Sylvias schlesischer Küche, vermittelt und vorbildldich organisiert von der Schlesiergruppe Pforzheim. Das Bigos wurde gelobt wie selten ein Landesdelegierten-Essen zuvor, obwohl dessen Herkunft von standesbewussten  Schlesiern zuweilen etwas beargwöhnt oder „suspektisch“ betrachtet wird.

Text: G. Zimmermann, Foto: G. Kaul
  


                           Das Foto zeigt den Bundesvorsitzenden Stephan Rauhut während seines Referats










 

                                

 


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